Liebeslyrik - Liebesgedichte - Liebespoesie

Liebeslyrik - Liebesgedichte - Liebespoesie
foto: vkd

Sonntag, 4. Dezember 2016

HERBSTBILD

Im Tal zwischen den Bergen,
die Blicke an Ferne, Gipfel
Kreuz und Himmel genagelt,
im Hinterland der großen Stadt,
Gehen wir diesen Scheideweg.

Ein wilder Fluss frisst sich
in drohliche Stille, er faucht,
er tobt, er flüstert das
Ungesagte in mein Ohr,
während wir schweigen.

Die Aura von Gletscherkälte
hüllt uns in fröstelnde Nähe.
Ich lege meinen Arm um
Deine Schultern und mein
Herz in Deine Hände.

Des Sommers Wärme hat sich
weit hinter die Berge verkrochen,
welkes Herbstlaub unter den
Schritten, auf fernen Gipfeln
glänzt in der Sonne der Schnee.

Foto: vkd











Sonntag, 27. November 2016

GOTTTESGESCHENK

Im Augenblick die Lider heben, aufwachen, engumschlungen,
Träume, Küsse tauschen, flüstern, dein Morgengesicht zwischen
den Händen. Das Gottesgeschenk, deine Lippen tiefrot zu Küssen.

Das Gottesgeschenk eines aufreizenden Tages, das Gottesgeschenk
des Sonnenlichts, das dein Engelshaar noch ein Quentchen heller
erstrahlen lässt im elysischen Augenblick unsterblicher Liebe.

Das Gottesgeschenk meiner Augen, die sich nicht sattsehen
an deiner Anmut. Das Gottesgeschenk der Luft, die wir atmen,
des Friedens, den wir leben, an diesem Tag unter Gottes Hand.

Das Gottesgeschenk der Liebe, die in meinem Herzen brennt, für
dich, für diesen Tag, für jeden Augenblick, für die Freiheit zu fühlen,
was Sinne und Herz berührt: für das Gottesgeschenk dieses Lebens.

Foto: pixabay






Mittwoch, 23. November 2016

HERBSTLIED

In der Neige des Herbstes
stehen sie noch in Flammen,
die Wälder. Die Erde leuchtet,
und der Himmel ergraut.

Die Schatten der Wanderer
wachsen flugs auf dem Pfad
der Suchenden. Stets emsig
rasten wir am See. - Stille.

Im Spiegel des Wassers
erkenne ich die letzte Blüte,
die der Sommer gelassen hat.
Es ist dein Gesicht, du Schöne.

Dein Lächeln, die Gesten hinter
Worten, jene sprachlose Süße
vereint, vereint sie alle: Feuer
und Wasser, Himmel und Erde.

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Donnerstag, 17. November 2016

OHNE ENDE

Jedes Lied klingt traurig,
wenn das Ende naht.
Wie eine Diebesbande
Schleicht es sich heran.

In unbewachten Augenblicken
erstarren die Worte,
erstarren die Blicke,
erstarrren die Gesten.

Bisweilen bist du da
und auch wieder nicht.
Bisweilen bin ich da
und auch wieder nicht.

Sag, wo sind wir denn?
Beieinander und so fremd!
Die Kühle jeder Berührung
kommt aus der Ferne.

Aus der Ferne des Raums,
des kalten Alls, wo still
Kometen schweben. Kein
Glimmermeer der Sterne?

Ich fühle meine Tränen.
Ein Glitzern in deinem
Augen, ein Glitzern der
Sterne, Sternenstaub,

der uns berührt. Ferne wird
zur Nähe. Nur ein Augenblick:
Und wir weinen gemeinsam
diese Tränen ohne Ende.


Foto: vkd

Sonntag, 13. November 2016

MEINE LIEBE

I.

Irgendwann stolperte ich
über dich, mit achtlosen Füßen,
auf der Flucht vor mir selbst.

Irgendwann verliebte ich mich
in deine sündhaften Blicke,
deine auflodernde Zerrissenheit.

Ich hielt ich dich in  meinen Armen,
wenn es brannte in dir und hielt
Dich, wenn das Feuer erlosch.

So wuchs unsere Liebe empor,
doch ihre Wurzeln verankerten
Sich tief im Boden des Ego.

Am Ende fanden wir nur einen
Augenblick der Zerrissenheit.
Die Sterntaler des zerfetzten Briefes

Rieselten endlos aus dem Fenster,
du zwischen weichen Tränen und wildem
Lachen, die achtlosen Schuhe vor der Tür.


II.

Die Hoffnung schweigt, schweigt zwischen
zwei Worten, der letzte Blick, bevor die
Tür sich schließt, wankt in die Leere.

Das Kettenkarussell der Gedanken bohrt
höhnisch sich in mein Herz. Ich sehe nichts
mehr, was mich nicht an dich erinnert.


III.

Morgen wird meine Liebe im Lied des
Vogels erwachen, der vor deinem Fenster
Singt, in jedem Regentropfen, der dich berührt.

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Freitag, 11. November 2016

WELLEN

Wie alles, vergehen sie, die blauen Nächte,
die Nächte der Küsse, die Nächte der Tänze,
die Honignächte. In denen wir, winzige Blasen,

Gehüllt in rote Membrane, wieder und wieder,
von der Erde zum Himmel aufsteigen. Aufsteigen
in die Glut der Sonnen, in die Kälte des Kosmos.

Hier und heute sind wir, sind wir ganz, sind wir
Liebende. Betten uns auf Himmelsmoos. Umarmen
uns endlos im Schatten des verblassenden Mondes.

1000 Küsse später erfrischt der kühle Morgentau
die müden Lippen. Das leise Zittern deiner Haut
verinnt in sanften Wellen am Ufer meines Leibes.

Sie machen mich still, selig und dankbar, die Wellen.
Gottes Geschenk, das sind sie, das bist du. So viele
Mysterien, Geliebte, beglücken den Augenblick mit dir!

Foto: vkd

Sonntag, 6. November 2016

FENSTER

An das verschlossene Fenster
meines Herzens klopfte die Zeit.
Wieder und wieder: vergeblich.
Die schüttelte es, ließ es erzittern.
Doch starr hielt es stand, trotzte,
trotzte den sanften Winden der Träume,
den wildesten Stürmen der Leidenschaft.

Als du dann an mein Leben rücktest,
du, mit deinem Morgensonnenlächeln,
das jeden Schatten der Seele erhellt,
da erstrahlte auch mein Herz. Erstrahlte
so gleißend hell, als gäbe es keine
geschlossenen Fenstern mehr auf
dieser ganzen wundervollen Welt.

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Samstag, 5. November 2016

WILDEN HERZENS

Erwachen.
Im Liebesfeuer:
Kind, Freude,
nächtliche Tänze ...

Nicht wissen,
wann die Reise
dieses Schiffes endet,
nichts wissen,
alles vergessen.

Auf dem Deck
sich schwindlig
drehen, lachen,
im Reigen
unter Goldhimmeln
Atemlos,
wilden Herzens,
in Arme sinken,
in  Sterne starren.

Erstrahlen in dir,
einem Kometen gleich
versinken
in Inbrunst.
Der Augenblick
flüstert
sein heiliges
Geheimnis
in mein Ohr.

Foto: vkd


Sonntag, 30. Oktober 2016

EINEN SCHRITT VORAUS

Draußen der Regen
klopft an das Glas
Auf der Flucht
vor dem Wind.
Es zittert. Angst
zu zerspringen.
Mein Herz ist
einen Schritt voraus.
Es zerspringt fast
vor Glück. Du kriechst
noch ein Stück näher
unter meine Decke.

Foto: vkd

Freitag, 21. Oktober 2016

SCHÖNE IM HERZEN

Du, Schöne im Herzen,
selbst den dunkelsten Raum
erhellst du mit deinem Licht,
angesichts des Augenblicks,
in dem wir uns begegnen.

Wenn wir uns begegnen
An den heiligen Ufern,
an den heilenden Ufern,
an den Ufern der Meere,
der Meere tief in uns.

Tief in uns die Meere der
Gnade, die göttlichen Meere,
die ewigen Meere. Dort,
sind Gott und Liebe vereint,
selig im Tanz der Seelen.



Sonntag, 16. Oktober 2016

NACHT DER WÖLFE II

Da war die Nacht,
da waren du und ich,
die fanden sich und
Frieden mit dem Tag.

Da war die Nacht,
da waren du und ich,
und wir erkannten uns
unter dem Bernsteinmond.

Liebestrunken, Priesterin
und Priester, knieten wir
vor brennenden Altären
in dionysischer Andacht.

Zieh mich, zieh mich tief,
in archaische Weiten, wo
die Augen von Wolf und
Wölfin nächtens erglühen.

Versinken will ich, tief und
tiefer, in mystischen Räumen,
mich verlieren, du scheues,
wildes Tier, in deinem Honigduft.

In dieser Nacht, unter
dem einen Bernsteinmond,
dieser mystischen Nacht,
dieser Nacht der Wölfe.

Foto: pixabay
 

Montag, 10. Oktober 2016

WENN ICH NICHT BRENNE, WIE KANN DAS DUNKEL IN MIR ERLEUCHTEN?

Brenne, mein Herz, brenne
aus mir! Entferne, mein Herz,
entferne alle Spiegel. Nur
jenseits der Spiegelungen im
Anderen wird Liebe erwachen.

Zerreiße, mein Herz,
zerreiße die Fesseln
der Bedeutungen.
Verbergen sie doch nur
die Wahrheit der Liebe.

Erhelle, mein Herz, erhelle mich!
Erhelle das Dunkel, das Dunkel
meiner Seele, das Dunkel
von Tag und Nacht, das
Dunkel zwischen den Sternen.

Tanze, mein Herz, tanze mit mir!
Tanze mit durch die Nacht, tanze
wie ein Derwisch, ein Derwisch im
Saal ohne Mauern, im Saal ohne
Spiegel. Tanze, tanze dich, mein Herz!

Foto: vkd

Freitag, 23. September 2016

ABSCHIEDSWEISE

Einmal noch mit dir
über die Wasser laufen,
die Meere teilen, die
Himmel auf die Erde
holen, wie verlorene
bunte Luftballons.

Sie um Handgelenke
binden, dass unsere
Arme nicht mehr nach
unten sinken, sich
finden und wiederfinden
in zeitloser Umarmung.

Einmal noch dich
herzen, so gelassen,
dass Stunden, Tage,
Wochen und Jahre
dabei vergehen ...
abschiedsweise.

Foto: Pixabay

Samstag, 10. September 2016

HONIG

Als Kinder kletterten wir zwischen
den Steinen der alten Ruine. Dort oben,
weit über der schäumenden Stadt,
verbargen wir uns, versteckten uns
vor der weiten, grenzenlosen Welt.

Spielten unter dem Turm, der hier in
fernen Zeiten sich erhob. Dichteten
tragische Dialoge vom Prinzen und
seiner Prinzessin, die sich in das Glück
unvergänglicher Liebe träumten.

Dann wurdest du Frau und ich Mann
und wir beide Liebende in der Freiheit
eines Sommers. Als abendrot der Himmel
in Flammen aufging, wurden wir Himmel,
erkannten uns und unseren Traum von Liebe.

Erkannten uns in der Gestalt von Engeln,
dort auf dem Berg über der Stadt, und Engeln
gleich schmeckten wir die Süße der Liebe. Das
letzte Licht des Tages tauchte deine Haut in
jenes Rot, das die ganze Welt in Feuer versenkt.

Im Schein des Honigmonds, unter dem Vorhang
glitzernder Sterne, liebten wir uns, fassungslos
unter diesem Himmel. Das Firmament war uns
Zeltdach, die ganze Welt ein Campingplatz,
die einzigen Gäste schienen wir beide zu sein.

Später verlorst du tragisch dich und dein junges
Leben im alten Wagen auf der neuen Autobahn.
Dein Herz und meines, fassungslos geborsten.
Doch tief in meinem Innersten lebt die Süße
fort, einem Honig gleich, der niemals verdirbt.

Foto: Pixabay

Donnerstag, 1. September 2016

BESESSEN

Es gibt Zeiten, da bist du kleines Mädchen,
und Zeiten, da bist du ganz Frau. Es gibt
Zeiten, da bist du Schatten, Zeiten, da bist du
Licht, das in allem aufscheint, alles beglänzt.

Manche Gebärde, so anmutig wie der Tanz
deiner Hände, verzaubert mein Wolfsherz.
Doch eine einzige Geste enthüllt die ganze
Wahrheit, die zwischen uns ihre Fäden webt:

Wenn du dein Haar zu einem Knoten
formst, Geliebte, deinen Aphroditenhals
entblätterst, schenkst du ihm und mir
Licht. Die verlorenen, die widerspenstigen

Haare in deinem Nacken erden diesen Anblick
ins Greifbare. Besessen bin ich, du Schöne,
von diesem Anblick. Enthüllt er nicht dem
dem Blick des Liebenden die ganze Schöpfung?

Wenn Gott solche Schönheit erschuf, ist
dann alles andere nicht ebenso schön, was er
geschaffen hat? So wird jeder Augenblick
begnadet, im Anblick dieser Schönheit zu sein.


Samstag, 27. August 2016

DIE HERZEN TANZEN

Du. Und ich. Singen Sternenlieder.
In mondtrunkener Nacht erkennen
wir. Jetzt weiß dein Leib, wer ich
bin. Und meiner weiß, wer du bist.

Faxen im Spiegel, fragende Blicke
im Schaumbad, Visionen am
Küchentisch, inmitten der Gischt
aus Küssen, der Magmaströme,

der andächtigen Stille, wenn der
Sturm verstummt: Sind wir eines
Königs Kinder, getrieben, verzaubert,
gestrandet, im Reich der Eintagsliebe?

Du schenkst mir dein lautes Hexen
Lachen. Ich knurre. Mein Wolfsherz
heult auf, mein Boden und all die
Himmel zittern. Die Herzen tanzen.

Tanze mit dir seit 1000 Jahren und
mehr, du Schöne. Im heiligen Licht,
im Engelsstaub, schreiten wir, tanzen
wild, hinein in unsere Dämonenwelt.


Sonntag, 21. August 2016

AUF DIESEM WEG

Auf diesem Weg.
Wirbeln wild Herbstblätter.
Verschließen Augenblicke.

Auf diesem Weg.
Hetzen Heimatlose,
im Gepäck das Ungesagte.

Auf diesem Weg.
Brennt Stille Glut
in die Umarmungen.

Auf diesem Weg.
Mahnen Zeichen beim
sicheren Schritt der Herzen.

Auf diesem Weg:
In Wahrheit taumeln.
In Wahrheit fallen.

Auf diesem Weg:
Bekennen. Singen.
Schamlos wahrhaftig.

Auf diesem Weg:
Lassen. Verströmen.
Erblühen in Liebe.

Auf diesem Weg:
Taumeln mit dir.
Blühen, fallen, lachen.


Dienstag, 9. August 2016

DIE SÜßE II

Ein Herz erblüht.
Erstrahlt im Licht.
Öffnet sich,
langsam, stetig,
in der Liebe Angesicht.

Verströmt sich selbst
in süßem Duft, der
erst betört, doch
dann das Leben ganz
und gar erwachen lässt.

Heute Nacht erkannte
ich dich, die ganze Süße
deines Herzens, Liebste.
Sie erstrahlte in deinem
Gesicht, Morgensonne

über endlosem Ozean.
Ihr Zauberleuchten
erhellte alles Dunkle, für
diesen seligen Augenblick.
Da erwachte das Leben ganz.


Freitag, 29. Juli 2016

IM GRAS

Aufmerksam lauschen
wir unseren Worten,
ihrem Echo in der Weite
der Ebene, wo wir,

Liebende, uns begegnen
in jenen Augenblicken,
wenn Herzen erwachen
in zeitloser Landschaft.

Die Nacht schuf Gott
für die Liebenden, mit
all den fernen Sternen.
Den Tag für die Liebe

und ihre Wunden. Im
Schatten des Ölbaums
lieben wir und lauschen
dem Rauschen der Nacht.

Gehen rückwärts zu
mysteriösen Orten
kindlicher Wünsche,
mit federleichtem Schritt.

Nackt tanzen wir, im
Märchenglanz eines neuen
Tages: im Morgentau, im
Gras, jenseits jeder Zeit.


Donnerstag, 14. Juli 2016

FRUCHTBARER BODEN

Auf dem höchsten Ort,
an dem eitel wir uns
erheben über den anderen,

ist der Boden eisig und
der Wind brennt
Wundmale in unsere Haut.

An dem höchsten Ort,
an dem wir uns im Recht
glauben und auf den

anderen hinab blicken,
ist der Boden eisig und
und der Wind ruht nie.

An dem höchsten Ort,
an wir nur eine Wahrheit
existiert und in Macht

und Blei gegossen wird,
bleibt der Boden im
sibirischen Dauerfrost.

Kein Samen wird zur
Pflanze erblühen, keine
Pflanze Früchte tragen.

Demut des Herzens und
Liebe machen den Boden
fruchtbar, auf dem wir sind.

Wo eben noch der Schatten
regierte, wärmt die Sonne
und nährt der Regen das Leben.


Donnerstag, 23. Juni 2016

LIEBENSLAUF

Gestern waren wir jung
und liebten ohne Schuld.
Teilten Träume, kleideten
sie ein in die edelsten
Stoffe, gewebt aus
Kinder-Sehnsüchten.

Zwischen Küssen, Lachen
und Tränen fanden wir
unseren hellsten Stern
unter dem Firmament,
fanden unser Himmelbett
unter dem Apfelbaum.

Mit den Jahren verloren
wir uns und vermieden
jeden Blick nach oben.
Eitelkeit und Schuld
verdunkelten die Blicke
im rasenden Fluss der Zeit.

So trieben wir zwischen
all den Dingen, die wir
planten, doch niemals
berührten, nicht einmal
uns selbst berührten wir.
Das alles war uns das Leben.

Eines Tages, in den wilden
Wassern der Zeit, der Zeit
vor dem Fall, dorthin, wo
kein Ding mehr zählt, halte
ich zitternd, du Schöne,
deine Hand in meiner.

In diesem einen Augenblick
darf Leben Leben sein. Mit
den Augen der Liebe erkennen
wir, erkennen uns, erkennen
uns wieder und mit einem Mal
all die Sterne am Firmament.


Mittwoch, 8. Juni 2016

DIE WAHRHEIT UND DIE LIEBE

I

Des Egos Dämonen, geboren
in den Schatten der Seele,
krönten sich selbst zum
Herrscher dieser Welt.

Geschwätzig führten ihre
Knechte sie zum Thron.
Knieten nieder vor dem
Gral der Macht und des

Mammon, verneigten sich
katzbuckelnd, lächelten.
Eitel nickten sie sich zu,
Wissend, neunmalklug.

In Wahrheit Unwissende,
denn der klare See ihrer
Seele betrübte schnell sich
mit dem Geifer der Egomonen.


II

Doch klärt sich der See
der Seele, so leitet er den
Blick zum Quell des Seligen.
Zeigt sich, wahrhaftig, nackt.
 
Der selige Narr lacht. Er
lacht aus vollstem Herzen.
Er entledigt sich jeder Maske.
Mutig führt er seinen Stab.

Mit ihm entlarvt er den
Blick des falschen Selbst,
entrübt und befreit den
Blick des wahren Selbst.

So klärt er der Seele Wasser.
Heil wirkt des Narren Stab,
denn wahrhaft zeigt er
nur sein liebendes Herz.

Ist es die Liebe doch, die
alles verbindet, das Dunkle
im Hellen und das Helle
auch im Dunklen. 

So wisse über die Liebe:
Nichts ist ihr fremd, ist
sie wahr und wahrhaftig.
Doch fremd ist sie und

voller Dornen, tritt sie auf
in der Maske des Egos:
all das Wägen und das
Wiegen, all das Rechnen

und das Radebrechen,
all die eitlen Tänze vor
den Spiegeln und die
Schachspiele, bei denen

jeder nur Sieger sein will,
sie alle verschleiern den
Blick und trüben die
Wasser der Seele.

Nur im Wagen und im
Herzensmut finden und
verbinden sie sich ganz:
Die Wahrheit und die Liebe.


Montag, 6. Juni 2016

GERUCHSBINDUNG

In manchen Nächten wuchsen sie, die Zweige, die
Blätter des Rosenbuschs, rankten um Reminiszenzen,
trieben Knospen und Dornen, kreuzigten meine Liebe,
verbanden Himmel und Erde. Jede Nacht ohne dich:
eine offene Wunde, die schwelte, die schmerzte. Trieb
Tränen in mein Gesicht, bewölkte meine Gedanken.

Dein Gesicht , deine Stimme, dein Leib, deine Augen
verpuppten sich im fremden Gesichtern, in fremden
Stimmen, in fremden Körpern, in fremden Augen.
Nur deinen Geruch, der aus der Ferne, über die
Ozeane zu mir hinüber wehte, den suchte ich im
Fremden, Neuen, Erregenden, und fand ihn nicht.

Dann hörte ich, du wärest zurück in der Stadt. Ahnte,
dass ich dich treffen würde auf diesem Fest. Dein Anblick
erleuchtete mich. Als wir sprachlos uns umarmten, fand
ich ihn, so klar und wahr und wirklich, diesen Duft an
dir, deinen Abendgeruch. Seitdem sind meine Nüstern
auf der Suche: nach Nacht und deinem Morgenduft.


Donnerstag, 26. Mai 2016

LIEBESSPIELE

Du Schöne, du strahlendes Spiegelbild
meiner Begierde. Einem Silberstreifen
gleich scheinst du auf, in nackter Nacht,
hell und heil glänzt du in der Dämmerung,
du Spielball im Spiel deiner eigenen Hände.

Deine ranken Schlangenfinger drängen
sich in jede meiner Zellen, ohne ein einzig
Mal mich zu berühren. Du tanzt, tanzt, den
mystischen Regentanz und berührst dich,
nur dich selbst, unter meinen Raubtierblicken.

Dein Gesicht, dein Leib, deine Blütenlippen,
sie alle verströmen wilden Beuteduft, öffnen
sich, feucht oben und feucht unten, selbst
vergessen und doch du selbst, so vermagst
nur du meine ganze Welt zu verzaubern.

Das kannst du. Verzaubern. Mein Raubtier
fixiert seine Beute, umkreist sie, treibt sie,
gemächlich, selbstvergessen und ganz ich
selbst, kannst du mir nicht mehr entkommen.
Die Freude in unseren Augen erhellt die Nacht.


Sonntag, 22. Mai 2016

GEFANGENENBEFREIUNG

Die, die wir auszogen,
der Liebe Wahrheit
zu erhellen, kredenzten
ihr Lieder, süße und

bittere, Rock und Pop,
sakrale Kammer der
Konzerte, Symphonien
und komischen Opern.

Bilder malten wir ihr,
in genialischen Farben
oder zarten Strichen.
Manche stammelten

ihre Gedichte in stillen
Kellern oder schrien sie
herab von den Dächern
der tobenden Stadt.

Manche vergaßen ihre
Jahre, ihr Leben, den
Augenblick, gebeugte
Greise, deren Gedanken

bleich kreisten über
dem Manuskript des
einen, des einzigartigen
Romans über die Liebe.

Manche bauten Gärten,
Monumente, Schlösser,
kein Sockel vermochte
hoch genug, groß genug,

wichtig  genug zu sein.
Doch stets verhüllt blieb
der Liebe Wahrheit unter
dem Mantel der Eitelkeit.

Gefangene der Schatten,
verirrten sich manche in
den Katakomben des Lebens,
ohne je die Liebe zu erkennen.

Gefangenenchorgesänge
ertönten aus manch düsteren
Schatten der Seele, Gefangene
in des Misstrauens Mahlstrom.

Der verdunkelte jeden Grund,
zog alles in Bahn und Bann.
Gefangene der Schatten,
verloren in der Ideale kaltem

Glitzerschnee, die schonungslos
schmolzen in der Frühlingssonne.
Gefangene der Schatten, gefangen
im kalten Griff von Angst und Schuld.

Eine riesige gierige Uhr verdeckte
das offene Meer, das endlose
Meer und all die endlosen Himmel.
Einem Ikarus gleich breiten wir die

Flügel aus, erheben wir uns zum
Himmel, dorthin, wo der Liebe
Freiheit wartet, wo wir Flügel sind,
und Meer und Himmel und endlos.


Freitag, 13. Mai 2016

DIE STILLE MIT DIR -II- *

Niemals erscheint der Lärm dieser Stadt
ferner, Geliebte, als in jenem Augenblick,
in jenem Augenblick der Stille mit dir.

Wenn jedes Wort gesagt, jeder Blick geblickt,
jede Berührung berührt, jede Liebkosung lieb
kost, jeder Kuss geküsst, jede Lust geliebt ist.

Wenn das Licht der Morgensonne in goldenen
Schleiern dich enthüllt, ich mich nicht satt zu
sehen vermag am Anblick deines Engels.

Keine Flut, die bedrohlich steigt, einzig Stille,
die tief im Sein sich verwurzelt. Die neugierig
sich reckt, traumverloren ihre Lider öffnet.

Du in meinen Armen. Erkenne dich an meiner
Seite, der Seite der Stille, der Stille des Seins, du,
Traumgeschöpf, dein Engel, der auch mich erkennt.

In der Pause zwischen zwei Atemzügen bettet
sie sich, die heilende Stille des Augenblicks.
Kein Morgen, kein Gestern, kein kalter Hauch.

Alles löst sich, alles strömt, dem Wasser gleich,
in das meine Hand ich tauche, ohne es halten zu
wollen. So tauche ich ein, ein in die Liebe mit dir.
















* DIE STILLE MIT DIR -- II -- deutet an, dass bereits ein anderes Gedicht mit diesem Titel existiert. Vor fast genau 6 Jahren erschien diese erste Fassung, die ich den geneigten Lesern nicht vorenthalten möchte: http://eintagsliebe-liebesgedichte.blogspot.de/2010/05/die-stille-mit-dir.html

Freitag, 6. Mai 2016

EIN LEISES LIED

Eine stille Ahnung, dass das Leben sich als
hastiges Bild im Traum des Seins verwebt,
ein unendlicher Traum ohne Ende, ein Traum
im Traum der Träume, mit harten Schnitten.

Manche Träume flüstern, stammeln, brüllen.
Manche Träume versinken sprachlos, manche
verbrennen als Feuerwerk, manche verwehen
ziellos, manche steigen steil zum Himmel auf,

stürzen, einem Ikarus gleich, ins eisige Meer.
Manche zerbrechen, wie Brücken, Herzen,
Helden, Heldinnen, Epen und Elegien, manche
erstarren zum Denkmal ihres eigenen Lebens.

Manche verblassen unbemerkt, ohne Erinnerung,
ohne Gesicht, körperlos, sprachlos, eindruckslos,
zerfallen zu Staub, ohne die Freiheit, der Liebe
ehrfürchtig ein einziges Lied gesungen zu haben.

Ein leises Lied, verwebt in Nebelschwaden, das
über den stillen See zu dir herüber klingt, dem
Adler gleich, der frei, seine ganze Welt beäugt,
die er im Reich seiner Freiheit nicht begreift.


Samstag, 30. April 2016

NACHRUF AN MEINE GROßE LIEBE

Hör doch: Aus so vielen
Worten ertönte das
Echo, das Echo des
Eitlen: Ich, Ich, Ich.

Stumm, behende, stoisch
nagelte es seine Plakate
über den Bühneneingang
eines ungeliebten Lebens.

Sieh doch: In so vielen
dramatischen Gesten
buhlte es um fremde
Blicke: Ich, Ich, Ich.

Blind, voll bitterer
Schuld, näherte es
sich seinem Ende:
Dem einen Augenblick

vollkommener Liebe:
im Tode, in dem sich
alles vereinte, was
vorher nicht l(i)ebte.


Samstag, 16. April 2016

SELIGER TROPFEN

In den Tagen, in denen ich
Kind war, in jenen seligen
Sommertagen, den Tagen
der süßesten Abenteuer,

den Tagen des Schmelzens,
Tagen auf der Prachtstraße
einer verzauberten Welt,
sah ich Fäden glitzern, die

alles verbanden, hörte das
Universum musizieren,
spürte den Wind in jeder
Pore meiner Haut. So sah

ich die Liebe der Blüten und
der Wolken, der Bäume
und des Himmels, der Stille
und des Refrains der Vögel.

Heute ist ein seliger Tag.
Angesichts einer Sonne,
die nie untergeht, halte
ich deine Hand, Schöne.

Wir tanzen jäh entfesselt,
dort oben, zwischen den
heiligen Gipfeln, auf der
schmalen Brücke die Liebe.

Jedes Lächeln, jeder Blick,
jede Geste wird süß. Wird
magisch, wird einzig, im
Schauer der Augenblicke.

Nur ein seliger Tropfen,
der vergeht, der vergeht
auf heißer Haut, der
verblüht im Honig auf

unseren Lippen, der
zerschmilzt in Küssen,
Blicken, seliger Tropfen,
der noch nicht Träne ist.


Mittwoch, 13. April 2016

UNSER BAUM

Gestern führten mich meine Schritte in den
alten Wald am See. Gedankenverloren stand
ich plötzlich an jenem Baum, den wir vor so
vielen Jahren zum Zeugen unserer Liebe erkoren.

Wenn wir uns an ihn lehnten, unseren Baum,
konnten wir in die ganze Bucht schauen. Im
Schoße seiner Wurzeln, im weichen Bett aus
Moos, suchte ich Wurzeln in deinem Schoß.

Ich hielt die zartesten Blüten deiner Seele in
meinen Armen, wenn die Sonne unterging.
Es war unser Baum, vor dem ich heute stand,
nach all den Jahren, und ich erschrak ein wenig.

Das Gedicht, das ich damals für dich schrieb
und im Waldboden vergrub, schutzloses Papier,
ist längst zerfallen, eins geworden mit der Erde,
auf die ich heute trete, nach all den Jahren.

So wie die Liebe, so hoch und hell und süß,
verging und verblich. Mit jedem Schritt, mit
Tränen trete ich langsam aus dem Schatten
des Baumes und der Vergangenheit mit dir.

Als ich mich umwende, finde ich ein strahlendes
Lächeln. Im grünen Laub unseres Baumes erkenne
ich deine Augen. Ich kann nicht anders, als dich
mit dem Baum zu umarmen in seligen Tränen.


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